Erfahrungsbericht Schweiz

Basisinfos über die Schweiz:

Obwohl es in der Schweiz vier Amtssprachen gibt, sind nur zwei davon für die Bevölkerung verpflichtend zu können: Deutsch und Französisch. Allerdings wird vom Hochdeutsch nur selten Gebrauch gemacht. In der Deutsch-Schweiz spricht man Schwiizerdütsch. Die jeweiligen Dialekte des Schweizerdeutschen unterscheiden sich aber derart stark, dass sich die Schweizer oft untereinander nicht verstehen. Deshalb ist es als Ausländer auch keine Schande, wenn man am Anfang nur Bahnhof versteht.

Spätestens nach einem Monat hat sich das Ohr daran gewöhnt und man ist in der Lage, die Gesprächsinhalte zu erahnen. Wer in der Schweiz viel Zeitung liest, wird außerdem feststellen, dass es kein „ß“ gibt und Leute häufig „orientiert“ statt „informiert“ werden. Außerdem werden hier keine Fahrräder geparkt und keine Hähnchen gegrillt, sondern „Velos parkiert“ und „Poulets grilliert“. Doch mit diesen Helvetismen hat man sich bald angefreundet.

Dank des Schengenabkommens benötigt man als Österreicher kein Visum, um einreisen zu dürfen. Auch werden selten Passkontrollen durchgeführt. Das Mitnehmen des Passes bzw. eines Personalausweises ist aber trotzdem notwendig, da der Führerschein allein als Identitäts-nachweis oftmals nicht ausreicht. Wer zum Beispiel die gratis YALLO-Simkarte mit fünf Franken Guthaben aktivieren möchte, für die man am Beginn des Semesters einen Gutschein bekommt, benötigt dringend einen Personalausweis – und natürlich ein entsperrtes Handy. Mit dieser YALLO-Simkarte telefoniert man für 25 Rappen (ca. 19 Cent) pro Minute ins österreichische Mobilnetz und für 15 Rappen (ca. 11 Cent) pro Minute ins Festnetz.

Telefonieren ist allerdings das einzige, das in der Schweiz günstig ist. Für Lebensmittel, Hygieneartikel, Restaurantbesuche und Freizeitgestaltung zahlt man deutlich mehr als in Österreich. Auch das Wohnen ist ziemlich teuer. Vor allem für die Plätze in den Studenten-heimen, die auf „dachlade.ch“ angeboten werden, zahlt man meistens eine stattliche Miete und zumeist eine unverschämt hohe Kaution. Es lohnt sich daher, sich auf diversen Online-Portalen wie „wg-gesucht.de“ oder „students.ch“ auf die Suche nach günstigen Privatzimmern zu begeben und dafür etwas längere Anreisewege zur FH in Kauf zu nehmen.

Sobald man für die Dauer des Aufenthaltes einen festen Wohnsitz hat, muss man sich bei der Einwohnerkontrolle anmelden. Diese Anmeldung kostet 20 Franken und man muss ein Passfoto, eine Studiumbesuchsbestätigung sowie einen gültigen Mietvertrag mitbringen. Binnen 30 Tagen erhält man dann einen Ausländerpass. Außerdem erhält man bei der Anmeldung ein Formular, das man ausfüllen muss, um zu beweisen, dass man in Österreich ausreichend krankenversichert ist. Tut man das nicht bzw. ist das nicht der Fall, wird automatisch eine schweizerische Pflichtkrankenversicherung für einen abgeschlossen.

Mit der Meldebestätigung, dem Studiennachweis und dem Pass kann man ein kostenloses Bildungskonto bei der Postbank oder der Zürcher Kantonalbank einrichten. Das ist insofern praktisch, dass man sich damit die Kosten für teure Geldüberweisungen oder -abhebungen vom österreichischen Konto erspart. Ein weiterer Grund ist das Prestige: Man kann dann voller Stolz behaupten, ein Schweizer Bankkonto zu besitzen. (Außerdem war bei mir ein Schweizer Konto notwendig, um ein zusätzliches Stipendium von der Schweiz in Höhe von 1.250 CHF zu bekommen. Das muss bei den nächsten Auslandsstudieren-den aber nicht zutreffen, da ab 2011 angeblich eine andere Regelung der Stipendienvergabe gilt. Bei mir belief sich die Gesamthöhe der Zuschüsse (inkl. des 600,00 Euro ERASMUS-Stipendiums) auf rund 1.500 Euro, also ca. 380 Euro/Monat. Die Lebenshaltungskosten betragen pro Monat zwischen 500 und 700 Frankenexklusive Miete versteht sich.

Sportlichen Sparfüchsen kann ich ans Herz legen, sich ein Fahrrad auszuleihen, um mobil zu sein. 40 Franken pro Semester sind ein günstiger Preis. Wer gerne reist bzw. mit dem Bus zur FH fahren möchte, für den empfiehlt es sich, ein „Halbtax-Abo“ zu lösen. Dieses kostet 165 Franken. Mit dem „Halbtax-Abo“ bekommt man ein Jahr lang jedes Ticket zum halben Preis, Tageskarten für die ganze Schweiz sogar noch billiger. Allerdings bezahlt man für jede Nachtfahrt einen Nachtzuschlag von fünf Franken. Wer darauf vergisst, zahlt bis zu 80 Franken Strafe.

Da die Schweiz nur halb so groß wie Österreich ist, kann man sie binnen vier Stunden sowohl von Ost nach West als auch von Nord nach Süd vollständig durchqueren. Städte, die man auf jeden Fall besuchen sollte, sind Luzern, Bern, Basel, Lausanne und Genf. In den beiden letzten empfiehlt es sich, Französisch zu können. Die Westschweizer können zwar Deutsch, vermeiden es allerdings, davon Gebrauch zu machen. Zur Not kommt man aber auch mit Englisch weiter.

Über die FH

Das Studium hier ist ein Bachelorstudium im Umfang von sechs Semestern. Im 3. bzw. 4. Semester müssen die hiesigen Studenten ein Plichtpraktikum absolvieren, im 6. Semester schreiben sie ihre Abschlussarbeit. Ab dem 5. Semester wird der Studiengang in die Vertiefungsrichtungen JO (Journalismus) und OK (Organisationskommunikation) aufgeteilt.

Ein bis zwei Wochen nach Beginn des Semesters bekommt man einen Studentenausweis (Legi) der ZHAW, über den man bei der Einführungs-LV genau informiert wird. Der Stundenplan ist am Anfang etwas verwirrend, da er auf mehrere Online-Plattformen aufgeteilt ist, die nicht miteinander zusammenhängen. Das System hat man aber bald herausgefunden und zur Not kann man immer noch vertrauensvoll an seinen zugeteilten „Buddy“ wenden oder ins Sekretariat gehen und dort nachfragen.

Positiv an der Organisation des Unterrichts ist, dass sämtliche der benötigten Unterrichtsmaterialien online abrufbar sind und es so gut wie nie zu Ausfällen von Vorlesungen kommt. Außerdem gibt es – abgesehen von ein paar Ausnahmen – keine Anwesenheitspflicht. Der Studienbetrieb ist vergleichbar mit der Schule, denn es gibt einen fixen Stundenplan, der eigentlich das gesamte Semester hindurch unverändert bleibt. In der Regel ist jeder Tag für eine Lehrveranstaltung reserviert, allerdings kann man, je nachdem, für welche Lehrveranstaltungen man sich ent-scheidet, auch bis zu drei verschiedene pro Tag haben.

Semester-Workload

Gesamter Workload: Im Vergleich zu Graz ein sehr intensives Semester, da einem permanent Leistung und Einsatz abverlangt wird. Man hat wirklich jeden Tag eine Vorlesung oder an einem Text zu arbeiten. Aufgrund der vielen Schreibaufträge sammelt man allerdings jede Menge Erfahrung in der Textproduktion. Fazit: Spaß und Stress halten sich die Waage.

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