Bodensatz des Journalismus: Die Top 3

Wie ich bereits in meinem Tagebucheintrag vom 15.10. gezeigt habe, schaffen es oftmals recht obskure Artikel in die Online-Ausgaben der Schweizer Qualitätszeitungen. Im Rahmen meiner Tätigkeit bei “klartext.ch” habe ich unlängst den Auftrag bekommen, die Top 5 der nutzlosesten Artikel im Oktober herauszusuchen und kritisch zu kommentieren. Dem bin ich natürlich gerne nachgekommen. Die Top 3 möchte ich euch nun in diesem Blogeintrag präsentieren:

Nummer 3: „Das Essen abgeschossen“

Dieses amüsante Video hätte die BAZ online unkommentiert auf Youtube hochladen oder an „Upps die Pannenshow“ weiterleiten können. Es aber auf der Homepage zu publizieren – vor allem mit so viel überflüssigem Begleittext – war wirklich nicht notwendig. Was soll damit ausgesagt werden? Vielleicht, das Frauen nicht kicken können? Oder etwa, dass Schadenfreude immer noch die schönste Freude ist? Man weiß es nicht. Auch wenn man den Sinn des Beitrags nicht versteht: Wenigstens kann man darüber lachen.

Nummer 2: „Wen Laubbläser stören, soll uns mal mit Rechen und Besen helfen“

Manche Menschen beschweren sich über den Lärm, der von Laubbläsern verursacht wird. Und die, die mit diesen Geräten arbeiten müssen, fühlen sich dadurch angegriffen und schlagen verbal zurück. Mit diesen zwei Sätzen lässt sich der Inhalt dieses Berichts auf „tagesanzeiger.ch“ zusammenfassen. Der Artikel hat schon fast Talkshow-Charakter, denn er bietet Nörglern und beleidigten Leberwürsten eine Plattform für Unmutsbekundungen und Streit. Was das den Lesern bringt? Nichts, denn nützliche Infos findet man in diesem Artikel keine. Die Moral von der Geschicht: Unbedingt lesen muss man sie nicht.

Der Gewinner: „Heimwehstudenten in Zürich“

Bei diesem Bericht hat man denn Eindruck, er sei er von einem Schulkind geschrieben worden. Es geht eigentlich den ganzen Artikel nur um die Gefühlswelt, die Sprachprobleme, die Freizeitaktivitäten und das Heimweh von Studierenden aus dem Tessin. Dabei hat es sie nicht einmal ins Ausland verschlagen, nein: Sie sind lediglich ein paar hundert Kilometer nach Norden gefahren – in ihrem eigenen Land! Wenn der Journalist das Ziel verfolgt hat, durch seinen Artikel Mitleid für die Tessiner zu erregen, hatte er Erfolg. Wenn er einen interessanten Bericht mit Mehrwert für die Leser verfassen wollte, ist er auf ganzer Linie gescheitert.

Das waren sie, meine persönlichen Top 3 im Oktober. Wer Lust und Laune hat, kann hier die Top 5 auf Klartext nachlesen. Es lohnt sich, denn ein Berufskollege von der Aargauer Zeitung hat eifrig von der Kommentarfunktion Gebrauch gemacht, um sich über meine Inkompetenz zu beschweren. Nichts desto Trotz werde ich mich weiterhin auf die Suche nach November-Trash begeben, um euch so schnell wie möglich wieder neues Futter liefern zu können. Frei nach dem Motto: “Jetzt erst recht!” 🙂

Monsignore hat gesprochen.

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