Aktualität statt Individualität

Österreich kann sich verstecken – vor der Schweizer Vielfalt. Alles im Land der Eidgenossen ist unterschiedlich geregelt. Ob es nun um Bildungsrecht, Steuerrecht oder das Verkehrsrecht geht: Jeder der 26 Kantone kocht sein eigenes Süppchen. Doch auch im Bereich der Medien setzt die Schweiz auf Diversität: Damit ihnen wohl nie der Lesestoff ausgeht, gibt es über 35 verschiedene Tageszeitungen. Bei uns in Österreich gibt es gerade einmal magere 18 Tageszeitungen, von denen den meisten Österreichern nur sechs bekannt sind.

Doch so vielfältig die Schweizer Printmedienlandschaft auch ist, so einheitlich und gestaltungsarm sind die Internetpräsenzen der Tageszeitungen. Der Grund dafür: In der Schweiz gibt es keine derart ausgeprägte Medienförderung wie in Österreich. Die Zeitungen sind größtenteils auf ihren eigenen wirtschaftlichen Erfolg angewiesen und deshalb gilt: Nur, wer sich selbst finanzieren kann, hat eine Existenzberechtigung. Dem fallen – vor allem im Internetbereich – Design und redaktionelle Aufbereitung von Themen zum Opfer.

Anstatt der Internetredaktion die Möglichkeit zu geben, vor der Publikation im Web selbst an Artikeln zu arbeiten, laden Schweizer Zeitungen in der Regel einfach Agenturmeldungen aus dem Newsnetz hoch. Damit erreicht man zwar ein Maß an Aktualität, mit dem die Online-Versionen österreichischer Zeitungen nicht mithalten können. Allerdings geht das erheblich zu Lasten der Individualität. Bis auf wenige Ausnahmen findet man auf allen Online-Portalen der Schweizer Tageszeitungen ein und dieselben Artikel mit ein und demselben Titel – oftmals sogar in der gleichen Reihenfolge. Auch die optische Aufbereitung ist nüchtern und nicht selten sehr ähnlich. Deshalb fühlt man sich als Außenstehender fast zur Aussage verleitet: “Kennst du eine, kennst du (fast) alle.” Hier ist der Beweis:

Ob im Online-Journalismus Aktualität oder Individualität besser ist, darüber lässt sich streiten. Eines lässt sich aber mit Sicherheit sagen: Die Online-Versionen der Schweizer Tageszeitungen haben noch jede Menge ungenutztes Potenzial

Monsignore hat gesprochen.

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